LG Bad Soden / Sulzbach / Neuenhain

Schwalbach – Wiedersehen und Gegenwind

Nun hat auch der Main-Taunus-Kreis sein erstes Leichtathletik-Sportfest im Corona-Jahr über die Bühne gebracht. Es wird in diesem Jahr keine Kreismeisterschaften geben und so hatte das diesjährige MTK-Herbstsportfest, das am vergangenen Wochenende (5.9.2020) in Schwalbach stattfand, den Charakter eines Ersatztreffens der Kreisvereine, zumal die Wettbewerbe nur für Kreisangehörige ausgeschrieben waren. Die inzwischen bei Leichtathletikveranstaltungen gut eingeübten „Corona-Maßnahmen“ waren etwas gelockert worden - so waren z.B. auch Zuschauer zugelassen. Ansonsten aber wurde aber alles vorbildlich abgewickelt. Was inzwischen in so manchem Gastronomiebetrieb schon wieder Vergangenheit und in den Flugzeugen und Bahnen verpönt ist, wurde in Schwalbach sorgfältig praktiziert – alle Beteiligten, die den Platz betraten wurden datenmäßig und zeitenmäßig (Betreten/Verlassen) erfasst und es wurde Abstand gehalten.

Der Teilnehmerkreis blieb jedoch überschaubar, aber es war doch vielen Beteiligten - insbesondere Organisatoren, Kampfrichter, Betreuer – anzumerken, dass sie sich freuten, wieder mal mit den alten MitstreiterInnen, KollegInnen und Bekannten zusammenzutreffen.

In manchen Disziplinen waren pro Altersklasse nur wenige TeilnehmerInnen am Start, so dass die Wettbewerbe zusammengefasst werden konnten. Die Platzierungen standen deshalb nicht so im Mittelpunkt wie die einzelnen Leistungen. Diese wurden im Sprint allerdings sehr stark durch einen teilweise heftigen Gegenwind beeinflusst. Der gemessene Spitzenwert war -2,6 Meter/Sekunde in einem 200m-Lauf. Es ist ja eine alte und immer wieder gerne geführte Diskussion, wieviel Rückenwind hilft und wieviel Gegenwind schadet. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass ein Rückenwind von 1 m/s einen Zeitvorteil von plus/minus 5 hundertstel Sekunden bedeutet. Eine weitere Faustformel besagt, dass Gegenwind etwa doppelt so viel schadet, wie Rückenwind hilft. Legt man diese Formeln zugrunde, kann sich jeder selbst ausrechnen, was der Wind für einen Einfluss hat. Natürlich sind die Geschwindigkeiten bei den Läufen auch ganz wesentlich. Das Tempo bei einem 400m-Lauf ist ja ganz anders als bei den 100m. Da wird dann auch der Gegenwind auf der Zielgeraden nochmal mehr schaden als Rückenwind auf der Gegengeraden einen Schub gibt.

Hat man dies im Hinterkopf parat, können einige der Schwalbacher Leistungen gar nicht hoch genug bewertet werden. Emelie Kastl (W 14) bestätigte ihre sehr gute Form, in dem sie über die erstmals von ihr gelaufene Strecke von 200m gleich eine beeindruckende Zeit hinlegte - 26,19 Sek (bei -0,9 m/sec Gegenwind). Das ist auch insofern bemerkenswert, als die 200m ja erst ab U 18 ins Wettkampfprogramm kommen. Interessanterweise sind aber in der ewigen 200m-Bestenliste der w U 18 der LG BSN bisher schon zwei Leistungen aufgeführt, die von Läuferinnen der W 15-Altersklasse erbracht wurden. Vereinsrekordhalterin ist seit 2011 Lena Naumann mit 25,21 Sek gefolgt von Sabine Strößinger, die als einzige Läuferin aus dem „letzten Jahrhundert“ noch in den TOP 10 vertreten ist. Sie lief 1999 25,96 Sek. Und dahinter kommt nun seit dem letzten Wochenende Emelie Kastl mit 26,19 an dritter Stelle. Vierte ist Denise Wagemans, die als 15-jährige vor 9 Jahren 26,44 lief. Die andere 15-jährige ist Lisa Naumann – ihre 27,02 stammen aus dem Jahre 2006.
Werfen wir an dieser Stelle einen kurzen Blick in die ewige LG-Bestenliste der Frauen und dort ebenfalls auf die 200m. Mit einer Zeit von 26,4 Sek. wird auf Rang 5 Yvonne Köhler geführt, gelaufen 1997 in Rimbach. Da gibt es doch die alte Weisheit, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt. Nun, Yvonne Köhler ist die Mutter von Emelie Kastl.

Über 100m stellte Emelie ihre persönliche Bestzeit von 13,00 Sekunden ein. Wie schon bei den Hessenmeisterschaften in Darmstadt wehte auch hier wieder der Wind aus der falschen Richtung (in Schwalbach mit -1,0). So verpasste Emelie erneut äußerst knapp eine 100m-Zeit mit einer 12 vor dem Komma. Derselbe Wind verhinderte auch bei Tara Heurung (U 20) bessere 100m- bzw. 200m-Zeiten. 11,27 und 27,48 lauten diesmal ihre gleichwohl recht guten Werte. Über 200m musste sie sogar gegen 2,6m/Sek. Gegenwind ankämpfen. Zur Abwechslung machte sie auch beim Weitsprung mit, wo sie bei 4,42m endlich mal keinen Gegenwind hatte, Rückenwind aber auch nicht (0,0).

Nach langer Pause war auch Johanna Richardson (U 18) wieder am Start. Über die schwierige 400m-Strecke, die viel Tempogefühl erfordert, merkte man ihr die lange Pause auch an. Der Gegenwind tat ein Übriges – am Ende zeigte die Uhr 65,71. Auch Paulina Risto (U 20) war über die 400m unterwegs, konnte sich aber mit 65,98 diesmal nicht weiter verbessern. Steigern hingegen konnte sich Jan-Hendrik Schuster (M 14). In seinem ersten Wettkampf in diesem Jahr überquerte er bei 1,40 m die Latte im Hochsprung - 7 cm mehr als seine bisherige Bestmarke. Damit rangiert er jetzt an 9. Stelle der ewigen Vereinsbestenliste. 14,96 über 100m und 6,67 mit der 4kg-Kugel runden seinen Wettkampftag ab. Außer ihm war lediglich noch Elisabeth Harant (W 14) aus der U16-Kategorie am Start. Mit 14,90 über 100m und 4,07m im Weitsprung blieb sie im Rahmen ihrer gegenwärtigen Möglichkeiten. Ebenso wie Janina Turek (Frauen) mit 15,84 über 100m und Kira Heurung (W 15) über 100m (15,04) und 200m (30,57) – auch bei ihnen blies der Wind ganz kräftig von vorn.
Patrick Hessami (Männer) lief mehr oder weniger alleine 800m gegen die Uhr (2:04,46) - für ihn war es eher ein Vorbereitungsrennen für die Hessenmeisterschaften am kommenden Wochenende. Alleine gegen die Uhr drehte auch Irene Bell über 3000m ihre Runden (12:19,28 min). Es war ein vergleichsweise kurzer Ersatz für den Wuzzelauf (10km), den Irene sonst an diesem Wochenende gelaufen wäre, hätte er denn stattfinden können. Bekanntlich hat Irene diesen Kultlauf in Altenhain bereits 11 mal gewonnen (d.h. jedes Mal, wenn sie am Start war, lief sie auch als Siegerin ins Ziele).

Ganz zufrieden waren die beiden SeniorInnen Vanessa Lemence und Franziska Zirnig (beide W 35), die beide den Diskus (14,18 bzw. 19,46m) warfen. Vanessa stieß dazu noch die Kugel (7,51m). Franziska legte dann noch ganz gute Sprünge in die Weitsprunggrube hin (4,61m) und lief trotz des Gegenwindes eine recht gute 100m-Zeit (14,20). Auch Seniorin und Trainerin Sabine Müller (WE 55) war über 100m (14,96) mit von der Partie.

Das (vor)letzte Wort soll aber noch einmal der Wind haben. Er erinnerte uns immer wieder daran, dass Leichtathletik im Sommer eine Freiluftveranstaltung ist.

Eine Beobachtung noch am Rande. Die LG-Vereinsfarben sind ja bekanntlich blau-schwarz-weiß (oder umgekehrt). Der Chronist zählte insgesamt 4 verschiedene Kleidungsvarianten mit den genannte Farben. Manchmal war auf den ersten Blick gar nicht erkennbar, von welchem Verein die eine oder andere Starterin eigentlich kam.

Insgesamt ein Sportfest, bei dem trotz des Gegenwindes einige sehr gute Leistungen für die Sprinter in den Ergebnislisten stehen und das ansonsten wieder ein Schritt in Richtung „normale Veranstaltungen“ bedeutete.


FM