LG Bad Soden / Sulzbach / Neuenhain

Als Rookie nach Roth oder Das Ende des 3-Jahre-Triathlon-Projektes

Seine Liebe zum Ausdauersport entdeckte Uwe Martin Mitte der 90er, nachdem er endgültig die Fußballschuhe an den berühmten Nagel hängte. Anfangs war er auf Volkslaufveranstaltungen unterwegs und lief 1996 seinen 1. Marathon. Im Jahr 2000 kam er von der TuS Hornau zur ambitionierten Laufgruppe der LG Bad Soden/Neuenhain. Teilnahmen an verschiedenen hessischen Meisterschaften und weiteren, auch internationalen Marathonläufen folgten.

So langsam rückte auch die Triathlonabteilung der LG BSN (wie sie heute firmiert) um Reinhold Schwarz in den Fokus. Aber: Triathlon macht man nicht eben mal so, wie Schwimmen, Radfahren (Mountainbiken) oder Laufen alleine. Da bedarf es schon einer grundsätzlich geänderten Trainingsgestaltung und den geeigneten technischen Voraussetzungen. Am Triathlon "geschnuppert" hat er beim Datterich in Darmstadt – einem Mannschaftswettbewerb über 1/10-tel der Ironmandistanz - und das mit dem Mountainbike. Nächste Station war eine Olympische Distanz (1.5-40-10km) am Edersee, noch immer "Ohne Neo" und in Brust-schwimmtechnik, aber immerhin mit Leih-Rennrad, dank seines Vereinskollegen André Winkler.

Nun war es nicht nur mehr der Reiz des Neuen, sondern auch die überaus positive Erfahrung, mit drei ganz unterschiedlichen Sportarten, viele Muskeln des Körpers - durch abwechslungsreiches Training- in bessere Form zu bringen. Zum anderen bot sich ihm eine sehr effiziente Möglichkeit, wachsenden beruflichen Anforderungen und Stresssituationen, durch sportliche Betätigung (in welcher Form und Intensität auch immer) zu begegnen. Nicht immer konnte er das mit seinem - bis dahin weitgehend harmonischen - Familienleben in Einklang bringen. Uwe Martin ist verheiratet und hat zwei Kinder. Mit einer verständnisvollen Frau und Planung gemeinsamer Freizeitaktivitäten bis hin zur Verlegung von Urlaubsreisen in die Nähe der Wettkampforte, lässt sich der Status Quo jedoch erhalten.

Ende 2007 kam dann auch der mentale und materielle Durchbruch – Er erlernte im Schwimmen die Kraultechnik und kaufte ein triathlontaugliches Rennrad.

In 2008 - nach mehreren erfolgreichen Teilnahmen an Triathlonveranstaltungen und der Unterstützung von Vereinskollegen beim Ironman-Frankfurt - wird aus der Idee, das Projekt "Teilnahme an einem Langdistanz-Triathlon" geboren. Fast zwei weitere Jahre gibt er sich Zeit, um sich mit angepassten Trainingsumfängen auf die lange Distanz einzustellen. Aus anfänglichen 100m schwimmen im freien Stil, sind heute mehr als 3 km geworden. Auch die Vorstellung, einmal 180km am Stück auf dem Rad zu sitzen, schien anfangs noch absurd. Lediglich die Bewältigung der Marathonlaufstrecke über 42km stellte keine psychologische Barriere dar. Nur es im Anschluss an die beiden erstgenannten Diszipline zu tun, ließ Zweifel aufkommen.

Nachdem in 2009 die ersten Mitteldistanzen (2-90-21km) im Moret bei Dieburg und beim legendären Allgäuman in Immenstadt (bei Oberstdorf) absolviert waren und nach etlichen Familienratssitzungen das "Papa Go" kam, stand einer Anmeldung nichts mehr im Wege. Langdistanzveranstaltungen sind aufgrund des riesigen organisatorischen Aufwandes in Deutschland und Europa rar gesät. Der Run auf Startplätze ist ungebrochen. Aus diesem Grund ist bereits ein Jahr im Voraus die Entscheidung zur Teilnahme zu treffen. Die Wahl war schnell getroffen. Sie fiel auf Roth, dem Triathlonmekka Deutschlands. Auch hier gibt es wieder die Verbindung zum eigenen Verein, geht doch fast jährlich mindestens ein Vertreter der LG BSN bei der Challenge Roth (alternativ auch in Frankfurt beim Ironman) an den Start.

Ursprünglich sollte das Triathlonprojekt in einer eher ruhigen beruflichen Phase ablaufen. Uwe Martin ist bei einem deutschen Anlagenbauer beschäftigt und wurde mit einem Großprojekt betraut, in dessen Rahmen er häufig zu Dienstreisen in den mittleren Osten und nach Indien unterwegs war und noch ist. So setzte er von Anfang an auf intensives Training mit minimal notwendigen Umfängen. Satt der normalen 8-9 Monate mit 12-14 geplanten Wochenstunden, begann er erst im Januar 2010 mit der gezielten Vorbereitung und erreichte im Mittel einen Umfang von 10 h pro Woche.

Auch Verletzungen verhinderten im Verlauf des Jahres die gewünschte Kontinuität. Ein Sturz auf's Knie beim Mountainbiken ließ lediglich das "Schwimmkonto" anwachsen. Eine langwierige Achillessehnenreizung glich er mit vermehrten Krafttrainingseinheiten einigermaßen aus. Zudem brachten die bereits erwähnten Dienstreisen die wöchentlich angepassten Trainingspläne immer wieder durcheinander. Sie wurden jedoch durch Kreativität und Glück bei der Auswahl der Hotels kompensiert. So brachten diese Aufenthalte überaus nützliche Mentaltrainingseinheiten hervor. Erwähnenswert sind hier ein Halbmarathon auf dem Laufband, 3 h Ergometer mit Blick auf den Pool (morgens zwischen 6.00 und 9.00 Uhr noch weitgehend ungenutzt) oder ein olympischer Triathlon im Hotel-Spa (25m Pool, Ergo, Laufband) und das, wegen der Verfügbarkeit der Geräte, auch mal rückwärts.

Die notwendigen Radkilometer holte er sich dann in Trainingslagern. Das erste absolvierte er noch allein, bei frostigen Temperaturen im Erzgebirge. Ein weiteres vor Pfingsten, bei unwesentlich besseren Bedingungen, zusammen mit Vereinskollege Dieter Berdux in Wallesau bei Roth. Auch er hatte sich, bereits zum dritten Mal, für eine Teilnahme in Roth entschieden und machte Uwe Martin mit den Wettkampfstrecken bekannt. Die Radstrecke bereits vor dem Wettkampf zu kennen, erweist sich immer wieder als ein Riesenvorteil. Gemeinsam strampelten sie um die 700 km in einer Woche weg.

Diese Vorbereitung auf eine Langdistanz bedeutete für Martin den Vorstoß in Grenzbereiche vielfältiger Art. Die Familie intervenierte und forderte Engagement ein, das laufende Großprojekt in der Firma erforderte mehr als den geplanten Aufwand und die Arztrechnungen erreichten für einen an sich gesunden Menschen einen bis dahin ungeahnten Rahmen. Die Achillessehne ist bis heute nicht vollständig auskuriert, erfordert nach dem Wettkampf sicher längerfristig Schonung und als Allergiker muss man präventiv etwas tun, um bei Pollenflug trainieren zu können.

Im Resümee - nach 26 Trainingswochen - stehen hinter den bereits erwähnten 10 Wochenstunden ca. 3.8km Schwimmen, über 160 km Rad und fast 40 km Laufen. Die Challenge-Roth, wie die Langdistanz als Alternativserie zum Ironman firmiert, am 18.07.2010 konnte kommen.

In Verbindung mit einer Woche Urlaub am nahe gelegenen Brombachsee, war auch die Familie wieder eingebunden und brachte zudem Zerstreuung vor dem Wettkampf. Zudem waren natürlich deren Helferdienste und Anfeuerung während des Wettkampfes gefragt. Neben einer guten physischen Verfassung ist die Verpflegung unterwegs die zweite Voraussetzung für ein erfolgreiches Finishen. Allein beim Radfahren werden weit über 3000 kcal verbrannt und da braucht es schon mal eine Alternative zu Powergels und Riegeln. Sohn und Tochter reichten dann etwas festere Nahrung in Form von Haferschleim und einem magenfreundlichen Isodrink der Marke Eigenmix.

Der erster Gedanke am Tag des Wettkampfes galt dem Wettergott, der nach anfänglich vorhergesagten 38º Grad ein Einsehen hatte und es bei 25º Grad beließ. Beste Voraussetzung also, um gute Leistungen abzurufen. Der Wettkampf selbst ist dann nahezu unbeschreiblich und beginnt nach kurzer Nacht bereits um 4:00 Uhr morgens, mit den letzten Vorbereitungen, einem kleinen Frühstück und der Anfahrt zum Start. Dort wird der Schalter auf Triathlon-Feeling umgelegt und man saugt es auf, wie die letzte Wasserpfütze in der Wüste. Das Schwimmen im Main-Donau-Kanal ist wegen der Gruppenstarts, im Gegensatz zu regelrechten Raufereien bei Massenstarts in Seegewässern, eher angenehm und gemütlich. Auf der Radstrecke hat Martin es dann, dem Rat seines Fernmentors Reini folgend, laufen lassen und nur selten überpaced. Körner hat der wellige Kurs aber letztendlich doch gekostet, was Martin beim abschließenden Marathon, wieder entlang des Kanals, zu spüren bekam. Als erfahrener Läufer wollte er den im kontrollierten Tempo einfach nur abspulen. Er musste allerdings erkennen, dass es ähnlich dem Marathon bei km 35, wohl auch beim Triathlon eine magische Schwelle gibt, die um die 200 km -Marke liegt. Danach begann es richtig weh zu tun. Triathlon für Jedermänner ist kein Wettkampf gegen die Uhr und um Platzierungen, es ist in erster Linie Willenssache und purer Kampf gegen sich selbst. Überglücklich war nach dem längsten Tag des Jahres und 10:09:00 h im Ziel und somit über 40 min. vor der erhofften Zielzeit.

Die mitgereisten Fans der LG Bad Soden und TSG Eppstein hatten natürlich nicht allein für Uwe Martin die Strecke mit Plakaten und Transparenten gesäumt. Sie feuerten auch die weiteren Starter der Triathlongruppe bis ins Ziel frenetisch an. So finishte Michael „Brauni“ Braun in neuer persönlicher Bestzeit (11:23:07h). Dieter Berdux (gestartet für die TSG Eppstein), obwohl noch nicht wieder vollends von einem Motorradunfall nur 3drei Wochen zuvor auskuriert, erreichte in 11:25:16 h den Triathlon-Park Roth und belegte bei den gleichzeitig ausgetragenen Deutschen Triathlonmeisterschaften-Langdistanz einen beachtlichen 23. Platz in seiner Altersklasse. Schlussendlich Annette Pustowka, jetzt für den TSV Katzwang 05 startend, kam bei ihrem ersten Start auf der Langdistanz in ebenfalls beachtlichen 14:27:22 ins Ziel.

Am Abend wurden die ausgezeichneten Ergebnisse mit den angereisten Fans um Reinhold Schwarz und Familie Winkler in der "Vereinsbasis - Zeltplatz Wallesau“ bei Weizen und Rotwein gebührend gefeiert.

Am Montag trafen sich alle noch einmal zur Siegerehrung im Festzelt in Roth. Auch ein Teil des Events, den man nicht verpassen sollte. Großer Dank an dieser Stelle an die mitgereiste und treue Familie, die Fans der LG BSN / TSG Eppstein und natürlich an Dieter Berdux, der einen Teil der Logistik übernommen hatte.

Wer mehr über die Challenge erfahren will, schaut ins Internet unter www.challenge-roth.de .

Auch weitere Ausdauersportarten werden Uwe Martin wieder reizen bzw. hat er schon fest im Visier. Dazu zählen Teilnahmen an Inlineskate- und Mountainbike-Marathons. Der kommende Event geht nun bald in die Vorbereitung – Langlauf-Skate-Marathon. Auch hier kann man sich Deutschland- und Europaweit austoben.

Uwe Martin im Juli 2010